Prolog
Ich sehe dich
„Wer selbst im Dunkeln war, erkennt das Dunkel in anderen.“
Hallo.
Schön, dass du da bist. Dass du hier bist.
Nenn mich Hans Peter. Oder H. P., oder HaPe. Ganz wie du willst. Namen sind nur Schall und Rauch – aber die Geschichte, die du gleich liest, ist echt. Sie ist meine, und ich gebe sie dir nicht als Lehrmeister, nicht als jemand, der alle Antworten kennt, sondern als einer, der gelernt hat, wieder zu atmen.
Was du in den Händen hältst, ist kein Ratgeber. Keine To-do-Liste. Kein Zeitmanagement-Buch. Kein medizinisches oder psychologisches Werk. Ich bin weder Arzt noch Therapeut. Ich bin nur eines: ein Überlebender. Jemand, der aus einem schier endlosen Strudel aus Angst zurück ans Licht gefunden hat – und der dir zeigen will, dass auch du dort hinkommst.
Dieses Buch ist mein Geschenk an dich. Nicht aus Überheblichkeit, sondern aus einem einzigen Grund: damit du siehst, dass du nicht allein bist.
Vielleicht legst du das Buch gleich wieder weg. Vielleicht liest du nur diese Zeilen und denkst: zu viel. Zu roh. Zu nah. Das ist okay. Ich habe selbst jahrelang Bücher weggelegt, weil ich Angst hatte, sie würden mich ertränken. Aber dieses hier wird dich nicht unterkriegen. Es wird dich nicht verurteilen. Es wird dir nur zurufen:
Ich war dort. Ich bin hier. Und du auch.
Wenn du Angst vor diesem Buch hast – lies es trotzdem. Es beißt nicht.
Vielleicht bist du aber gar nicht der Mensch mit der Angst. Vielleicht liest du das, weil jemand, den du liebst, darin steckt, und du nicht mehr weißt, wie du helfen sollst. Dann ist der letzte Teil dieses Buches für dich geschrieben – „Für die, die danebenstehen“. Du darfst dort anfangen. Ich nehme es dir nicht übel, wenn du meine Geschichte überspringst. Ich weiß, wie wenig Kraft man hat, wenn man daneben steht.
Ich werde dir in diesem Buch meine Wahrheit erzählen. Und das ist wichtig zu verstehen: meine Wahrheit. Was für mich wahr ist, was für mich ehrlich ist, kann für einen anderen Menschen anders wirken. Wahrheit und Ehrlichkeit sind subjektiv. Jeder Mensch hat seine eigene. Und genau diese Erkenntnis – dass es eine eigene, ureigene Wahrheit gibt – führt zu jenem Respekt vor sich selbst und jener Ehrlichkeit zu sich selbst, die mich letztlich gerettet haben.
Bei jedem Buchstaben, jedem Wort, jeder Träne, die du vielleicht vergießt: Ich bin hier. Ich sehe dich. Ich sehe deine Angst – auch wenn du sie noch nicht siehst, sondern vorerst vielleicht nur spürst. Sie nimmt dir den Atem. Dein Herz hämmert wild und ungeordnet. Die Welt wird winzig klein. Du hast Angst. Du hast Todesangst.
Und dann ist da einer, der sagt:
Ja. Das kenne ich. Und ja – es gibt ein Danach.
Es ist anders. Aber weit weniger beängstigend als das, was du jetzt empfindest.
Wenn du keine Lust mehr hast, weiterzulesen, leg es weg. Kein Vorwurf. Kein „Du musst durchhalten“. Aber erinnere dich: Jeder Buchstabe hier, jedes Wort, jede Zeile – ich habe sie für dich geschrieben.
Also.
Atme ein.
Atme aus.
Ich warte auf dich.